Ich dachte lange, Kontrolle würde mir Sicherheit geben.
Wenn ich nur genug plane, stark bleibe, diszipliniert bin und alles im Griff habe, dann kann eigentlich nichts passieren.
Dann kam Parkinson.
Plötzlich gab es Dinge, die sich nicht mehr einfach wegorganisieren ließen. Tage, an denen mein Körper etwas anderes wollte als mein Kopf. Momente, in denen ich nicht wusste, wie ich mich eine Stunde später fühlen würde.
Und je mehr ich versuchte, dagegen anzukämpfen, desto enger wurde mein Leben.
Ich wollte funktionieren, ich wollte bestimmen, wie es weitergeht.
Ich wollte zurück zu dem Menschen, der ich vorher war.
Doch irgendwann habe ich verstanden:
Kontrolle ist nicht dasselbe wie Sicherheit.
Kontrolle versucht, das Leben festzuhalten.
Vertrauen erlaubt mir, mit dem Leben zu gehen.
Das bedeutet nicht, dass ich aufgegeben habe. Im Gegenteil.
Ich kümmere mich um mich, ich treffe Entscheidungen, ich gehe meine nächsten Schritte. Aber ich muss nicht mehr alles erzwingen und heute schon wissen, wie morgen aussieht.
Parkinson hat mir gezeigt, dass Stärke nicht darin liegt, alles zu beherrschen. Stärke kann auch bedeuten, einen Zustand anzunehmen, ohne sich von ihm bestimmen zu lassen.
Viele Menschen brauchen keine Diagnose, um zu merken, wie erschöpfend Kontrolle sein kann. Wir wollen jede Entscheidung absichern, wir wollen wissen, ob etwas gelingt, bevor wir beginnen. Wir wollen Gefühle verstehen, bevor wir sie zulassen, doch das Leben gibt uns selten Gewissheit.
Es lädt uns immer wieder ein, aufmerksam zu bleiben, zu vertrauen und den nächsten Schritt zu gehen, sobald er sichtbar wird.
Heute glaube ich:
Kontrolle verspricht Sicherheit. Vertrauen schenkt Freiheit.
Was versuchst du gerade noch zu kontrollieren, obwohl das Leben dich vielleicht längst einlädt, loszulassen?

Antworten
Ich habe versucht eine Antwort auf Deine Frage zu finden, finde aber keine. Ich glaube man sogar regelrecht blind sein für solche Überlegungen. Zumindest allein. Man braucht einen Menschen der diesen blinden Fleck nicht hat.
Ich glaube jeder hat seinen persönlichen blinden Fleck. Aber indem wir uns gegenseitig spiegeln, kann er sichtbar werden.